Was zeigt ein korrekt ausgefülltes Aufgabenblatt über das Verständnis eines Studierenden? Wenn eine KI die Lösung liefern kann, braucht diese Frage eine genauere Antwort. Der Mathematiker Richard Borcherds von der UC Berkeley beschreibt eine Veränderung seiner eigenen Bewertungspraxis.
In Zain Khans Bericht vom 26. Oktober über ein direktes Gespräch für The California Post erklärt er, Noten inzwischen hauptsächlich auf Präsenzprüfungen ohne elektronische Geräte zu stützen. Hausaufgaben bringen weiterhin Punkte für die Erledigung; ihre Richtigkeit benotet er nicht mehr.
Die Aufgabe bleibt, das Bewertungskriterium ändert sich
Borcherds begründet seine Entscheidung mit den Anreizen: Punkte für korrekte Antworten könnten dazu verleiten, KI einzusetzen, und ehrlich selbst arbeitende Studierende benachteiligen. So beschreibt er das Problem. Daraus folgt kein gemessener Nachweis, dass jede Person täuscht oder jede Abgabe von einer KI stammt.
Hausaufgaben sind in diesem Bericht also weiterhin vorhanden. Verändert hat sich, welche Aussage Borcherds einer abgegebenen Lösung für die Benotung zutraut.

Welche Information steckt im Notendurchschnitt?
Der Mathematiker berichtet außerdem von deutlich höheren Durchschnittsergebnissen bei Onlineprüfungen. Zugleich sagt er, nicht erkennen zu können, welche Studierenden KI verwenden. Diese Grenze gehört zur Beobachtung dazu: Aus einem höheren Durchschnitt lässt sich nicht ablesen, wie jede einzelne Antwort entstanden ist.
Präsenzprüfungen ohne elektronische Geräte sind seine Reaktion darauf. Das Gespräch enthält jedoch keine kontrollierte Untersuchung darüber, ob diese Umstellung den Lernerfolg steigert. Es dokumentiert eine Entscheidung und die Begründung des Lehrenden.
Keine Aussage für die gesamte Berkeley-Universität
Der Umfang der Nachricht bleibt auf Borcherds’ Schilderung begrenzt. Sie belegt weder eine Abschaffung aller Hausaufgaben an der UC Berkeley noch eine einheitliche neue Praxis sämtlicher Lehrenden. Der betroffene Kurs, der genaue Anteil der Hausaufgaben an der Gesamtnote und die Wirkung der Änderung sind in diesem Paket nicht verifiziert.
Ivys Einordnung
Beim Lernen und beim Bewerten stellen sich unterschiedliche Fragen. Eine Übung soll helfen, einen Gedanken zu erarbeiten. Eine Prüfung soll auch nachvollziehbar machen, was eine Person selbst verstanden hat. Werden diese Ziele ausdrücklich benannt, lässt sich klarer über geeignete Aufgaben sprechen.
Eine kurze Erklärung des Lösungswegs oder eine verwandte Aufgabe unter Aufsicht wären denkbare Ergänzungen. Das sind redaktionelle Vorschläge; wir schreiben sie weder Borcherds zu noch behaupten wir, ihre Wirkung hier getestet zu haben. Die belegte Veränderung liegt darin, welche Leistungen er für seine Noten heranzieht.


